Serverpflege, die Zweite: die Generalüberholung

Server-Pflege, Serverpflege

Offensichtlich haben wir mit dem letzten Fachartikel über Serverpflege einen Nerv getroffen, denn es gab Ihrerseits einige Nachfragen. Ein Thema hat Sie anscheinend besonders beschäftigt, nämlich wie Sie mit „alten Servern“ umgehen sollen. Denn schließlich tun diese noch immer treu ihren Dienst, und deshalb wäre es doch schade, sie in den Ruhestand zu schicken. Also haben wir uns entschieden, diese Frage noch einmal gesondert aufzugreifen.

Sonderfall: Serverpflege bei alten Servern

Server sind üblicher Weise dazu bestimmt, über viele Jahre zu laufen. Denn ihre Anschaffung war nicht billig, und in der Regel erledigen sie ihre Aufgaben zuverlässig noch weit über den buchungstechnischen Abschreibungszeitraum hinaus. Also, warum ein funktionierendes System wegwerfen? Deshalb meinen wir eigentlich veraltete Betriebssysteme, wenn wir von alten Servern reden.

Das Problem ist also nicht das Alter der Hardware. Vielmehr werden wir mit der Tatsache konfrontiert, dass die zum Betriebssystem passenden Updates und Sicherheits-Patches nur eine eng begrenzte Anzahl von Jahren zur Verfügung stehen. Und erfahrungsgemäß ist dieser Zeitraum sehr viel kürzer als die Lebensdauer Ihrer Serverhardware. Wir können uns gerne an anderer Stelle mit den Hintergründen dieses Phänomens befassen, doch für Sie ändert sich nichts. Keine Aktualisierungen mehr? Das bedeutet Sicherheitslücken und Gefahr für den stabilen Betrieb.

Also müssen Sie spätestens jetzt das gesamte Betriebssystem erneuern. Aber auch die Seite der Anwendungssoftware nimmt Sie in die Pflicht, ein richtiges Betriebssystem-Upgrade vorzunehmen. Denn oft setzen wichtige Weiterentwicklungen Ihrer Geschäftsanwendungen aktuellere Betriebssystem-Releases voraus. So wird aus der einfachen Serverpflege eine Generalüberholung, die sich aber für Sie lohnen wird, wenn Sie ein paar Dinge beachten.

Keine Operation am offenen Herzen

Ein Upgrade des Betriebssystems im laufenden Betrieb sollten Sie unbedingt vermeiden. Denn schließlich erwarten Sie, dass der Server und seine Dienste ständig verfügbar sind. Und selbst wenn alles auf Anhieb funktioniert, was in der Praxis so gut wie nie vorkommt, haben Sie dann mit Sicherheit sehr viele „Leichen“ an Bord, so dass die nächsten Probleme vorprogrammiert sind. In jedem Fall dürfen Sie mit einer spürbaren Downtime rechnen.

So vermeiden Sie Probleme

Hier helfen Ihnen gute Planung und entsprechende Werkzeuge bei der fehlerfreien Durchführung von Upgrades. Dazu zeigen wir Ihnen an einem konkreten Beispiel aus der Praxis, wie die BB-ONE.net einen Hosting-Kunden aus dem Agentur-Bereich bei der Generalüberholung seines alten Servers begleiten konnte.

Schritt 1: Status und Aufgabe

Der Kunde hatte einen vier Jahre alten OVZ-Server mit CentOS 6.7, diversen Typo3-Instanzen, MySQL, PHP 5.6, Apache 2.4. Er wünschte sich das aktuelle Typo3, welches aber PHP7 vorausssetzt. Grundsätzlich hätte dem Erhalt des alten CentOS nichts entgegen gestanden, denn hier gibt es ein passendes externes „Repository„. Doch der Kunde bevorzugte das neue Debian Jessi 8. Der Apache konnte bleiben. Die Aufgabe bestand also darin, das Betriebssystem zu wechseln und ein Upgrade auf die aktuelle PHP-Version zu fahren.

Schritt 2: Vorbereitung

Der Kunde erhielt für diese Upgrade-Maßnahme einen baugleichen Server mit vergleichbarer Hardware-Ausstattung und dem neuen Wunsch-Betriebssystem Debian. Dabei wurde nur die wirklich notwendige Software aufgespielt. Ansonsten blieb das System nackt. Anschließend wurde das aktuellen Typo3 und die PHP 7 Verion installiert. In dieser Konstallation übergab BB-ONE.net das System an den Kunden.

Schritt 3: Datenumzug von alt auf neu

Nun konnte der Kunde seine alten Typo3 WebSites stressfrei migrieren. Dazu erhielt er einen schlüssel-gestützten Zugang „von-alt-auf-neu“ und eine Skript-Sammlung, mit welcher die notwendigen des Datei-Systemes sowie die Datenbanken übertragen wurden. Diese Skripte erlaubten dem Kunden übrigens auch, Änderungen im alten System „auf Knopfdruck“ mit dem neuen System zu syncronisieren, die während der Migrationszeit vorgenommen wurden. Denn schließlich sollten die Redakteure reibungslos weiter arbeiten können und die öffentlichen WebSites online sichtbar bleiben.

Diese Synchronisation führte der Kunde mehrfach durch, bis alle Daten im neuen System auf den aktuellen Stand waren.

Schritt 4: Umschalten

Jetzt mussten altes und neues System nur noch die Rollen tauschen. Das heisst, die im Internet sichtbaren WebSites wurden nach einer jeweils letzten Synchronisation per Änderung im DNS-System von alt auf neu umgeschaltet. Während dieser Zeit wird natürlich ein Pflegestop für die Redakteure verhängt.

Schritt 5: Zurückspielen

In unserem Beispiel hatte der Kunde einen gemieteten Server durch eine vergleichbare Hardware dauerhaft ausgetauscht. Doch rein theoretisch hätte das aktualisierte System durch ein Active Backup wieder seinen Platz auf dem alten Server gefunden.

Nachtrag

Ein weitere Besonderheit in diesem Fall war, dass der Kunde als Agentur mehrere WebSites für seine Kunden auf dem Server betrieb. Deshalb wurde die Migration des Servers in mehrere kleinere Umzüge unterteilt. Dadurch gab es weder Ausfälle noch Stress. Der Agentur-Kunde und dessen Kunden waren zufrieden. Denn letztere hatten nichts bemerkt. Und so sollte es auch ein.