Billig Hosting: Wie man sich bettet …

Billig Hosting ist ein teures Risiko

… so liegt man. Das gilt natürlich auch in unserer Branche. Vor allem wenn es um das Thema Billig Hosting geht. Denn auch hier ist jeder für sein eigenes Handeln oder Unterlassen verantwortlich. Das gilt für Hosting-Anbieter wie für die (kommerziellen) Anwender. Wirklich neu ist diese Erkenntnis natürlich nicht. Doch sie gewinnt an Bedeutung, wenn ein Unternehmen seine Geschäftsanwendungen rein aus Kostengründen einem Billiganbieter im festen Glauben überantwortet, diese Regel gelte für ihn nicht. Und deshalb habe er auch keine Nachteile oder Einbußen zu befürchten. Eine gefährliche Einschätzung, wie der nachfolgende Beitrag veranschaulicht: Durch eine Firmenübernahme wurden über Nacht tausende Kundendaten frei zugänglich und Sicherheitslücken aufgedeckt.

Kleine Datenpanne mit großer Wirkung

Da gab es doch kürzlich bei einem Discount-Anbieter unserer Branche eine „Datenpanne“. So nannte die Firma jedenfalls den Vorfall, der seit dem 29. Januar 2018 Aussenstehenden den Zugriff auf so ziemlich alle Kunden-Informationen ermöglichte. Dazu gehörten: Klarname, Firmenname, E-Mail-Adressen, Anschrift, Geburtsdatum, Telefonnummer, Telefonpasswort, Bankname und IBAN sowie der bei der Schufa abgefragte Score des Kunden und wann dieser zuletzt eingeholt wurde. Eine Quelle spricht sogar davon, dass Kundenzugangsdaten kompromittiert wurden. Dementsprechend war am letzten Wochenende der Aufschrei der Öffentlichkeit, als die Sache aufflog.

Kein Grund zur Häme

Lästern ist bei Ausfällen und Pannen grundsätzlich unangebracht. Denn erstens arbeitet niemand ganz fehlerfrei (auch dann nicht, wenn er selbst es wirklich glaubt oder sein DIN/ISO-Zertifikat dieses bescheinigt). Zweitens halten wir es für stillos, hämisch über das Geschehen bei Wettbewerbern zu lachen. Und drittens gibt es andere und bessere Möglichkeiten, auf eigene Qualitäten aufmerksam zu machen. Deshalb haben wir uns auch jegliche Komentare verkniffen, als im ersten Quartal 2018 drei wirklich grosse Ausfälle bei Wettbewerbern bzw. zentralen Institutionen unserer Branche (drei Tage Mittwald, zwei Tage DECIX, zwei Tage Hetzner) zu verzeichnen waren.

Wir halten fest: technische Pannen passieren auch den Besten. Weder Technik noch Mensch arbeiten zu 100% fehlerfrei. Darauf haben weder wir Anbieter noch Sie als Kunden immer einfluss. Aber es gibt Fehler, die sich aus bedenklichen Tendenzen in den Geschäftspraktiken unserer Branche ergeben. Und dagegen können Sie als Kunde etwas unternehmen, indem Sie auch die Geschäftspraktiken Ihres Hosting-Anbieters regelmäßig kritisch hinterfragen.

Unglückliche Kette von Ergeignissen

In unserem aktuellen Beispiel geht es um ein bekanntes Großunternehmen, welches zunächst mit billigen Domainservices startete und diesen Markt zur Freude der Kunden mächtig aufwirbelte. Der schnelle wirtschaftliche Erfolg legte nahe, auch als Hoster tätig zu werden. Auch in diesem Bereichen gab man sich extrem preis-aggressiv. Und man wuchs schnell. Es kam, wie es kommen musste: In 2013 übernahm das britische Unternehmen „Host Europe“ den Discounter. Drei Jahre später schluckte dann der US-amerikanische Weltmarktführer „GoDaddy“ den ehemaligen Business Hoster. Diese Kettenreaktionen der Aufkäufe sind in der ISP-Szene durchaus üblich. Auch die anschließenden Sparmaßnahmen zur Kostenoptimierung kommen nicht überraschend. Denn der Hostingmarkt ist auch und insbesondere in Deutschland einem harten Wettbewerb ausgesetzt. Und letztlich sollten die Übernahmen mehr Marktanteile und noch höhere Gewinne garantieren.

Billig Hosting: Sparen bis ins letzte Glied

Jetzt stellt sich allerdings die Frage, wie man in einem bereits hochautomatisierten, auf Effizienz getrimmten Segment immer noch mehr Kosten einsparen kann. Denn höhere Gewinne durch Preisanhebungen schließt sich beim Discounter aus. Noch weniger Personal geht eigentlich nicht. Lieferanten-Erpressung funktioniert meistens auch nicht, denn die wenigen verbleibenden Carrier, also die echten Infrastruktur-Anbieter, stehen letztlich am richtigen Ende der Leitung. Das ist durchaus wortwörtlich zu nehmen.