Checkliste für DataCenter – Prüfen Sie Qualität und Leistungen

DataCenter Check zur Überprüfung von Leistungen und Qualität

Wenn’s ums Hosting für Internetservices eines Unternehmens geht, also um den Kern des modernen Geschäftsbetriebes, wählen viele Entscheider gerne DataCenter Anbieter nach reinen Kostengesichtspunkten aus, gleichgültig, ob es ’nur‘ um die Firmen-WebSite oder um ganze Serversysteme geht. Aber ist das wirklich vernünftig?

Moderne Geschäftshochhäuser sind vergleichbar mit DataCentern
DataCenter: Facility fürs eBusiness sorgfältig wählen

Im Vergleich mit der Suche nach passenden Geschäftsräumen für den Firmensitz wäre es so, als würden irgendwo in der Pampa Räumlichkeiten ohne Besichtigung allein wegen der billigen Miete ausgewählt werden. Denn wenn Büroräume angemietet werden, spielen Lage, Ausstattung, Parkraum, Verkehrsanbindung und weitere zusätzliche Services immer eine wichtige Rolle. Der Mietpreis muss selbstverständlich ebenfalls passen. Auch individuelle Wünsche sollten weitestgehend erfüllt werden können. Insgesamt fällt die Entscheidung zur Anmietung also an Kriterien orientiert aus.

Wir gehen davon aus, dass Sie zu den vorbildlichen Ausnahmen gehören und bei der Anmietung der ‚Facility für Internet-Geschäftsanwendungen‘ genau so kriterienorientiert vorgehen bzw. vorgegangen sind. Denn schließlich bilden die Internetservices den virutellen Kern Ihres Unternehmens, sind Aushängeschild in der Onlinewelt und regeln intern wie extern Ihren Geschäftsverkehr.

Gerade bei DataCentern gibt es sehr klar definierte Qualitätsstandards und Leistungsanforderungen, die erfüllt sein müssen, wenn es um professionell betriebene Internetservices geht. Wir geben Ihnen hierzu eine Checkliste an die Hand, mit welcher sich Ihr DataCenter-Anbieter auf Herz und Nieren überprüfen lässt und Sie sich vergewissern können, ob Sie die richtig Wahl getroffen haben. Diese Arbeitshilfe können Sie auch downloaden:

1. Internet-/IP-Infrastruktur

1.1. Anbindung

Unter Anbindung wird eine sinnvolle Mischung von Internetleitungen der verschiedenen Netzanbieter (Carrier) verstanden, welche das DataCenter mit dem Internet verbinden.

Carrier werden in drei TIER-Klassen unterteilt. TIER-1-Carrier verfügen über eine komplett eigene Infrastruktur und bekleiden damit die Königsklasse unter den Anbietern. Sie nutzen niemals Leistungen anderer Carrier. TIER-2-Carrier sind sogenannte Transit Provider, welche in begrenztem Umfang auch Leistungen der TIER-1-Carrier hinzukaufen. TIER-3-Carrier sind in der Regel lokale Anbieter, welche Internetverbindungen an den Endverwender wie Firmen oder private Haushalte verkaufen.

Offshore Tiefsee Kabel
Offshore Kabel eines TIER-1-Carriers

Redundanz, also eine mehrfache Anbindung, mit einem sinnvollen Gemisch aus mehreren TIER-1- bzw. TIER-2-Carrierleitungen sind Grundvoraussetzung für ein professionell betriebenes DataCenter.

Die Bandbreite einer Internetverbindung entscheidet grundlegend über Geschwindigkeit und Umfang der Datenmengen, die gleichzeitig durchgeleitet werden können. Sie ist daher ein wesentliches Kriterium für die Bewertung der Leistungsfähigkeit und Qualität der Leitung. Sie wird in Bit pro Sekunde gemessen. Maximal mögliche aktive Bandbreiten ab 1 GBit/s sollten gegeben sein. Dieser Wert sollte zu Anzahl und Verbrauch der bedienten Kunden passen.

Alle Carrier sollten ihre Leitungen an wenigstens zwei getrennten Stellen in das Gebäude des DataCenters führen.

Arbeitsschritt:
Erfassen Sie die Liste der Carrier, über welche das DataCenter angebunden ist und fragen Sie nach deren Leistungsdaten.

logo_amsix1.2. CIX-Anbindung

Internet-Knoten sind wichtige Austauschpunkte, an denen sich Internetdienste-Anbieter, also auch Carrier untereinander vernetzen. Diese Verkehrsknotenpunkte werden in der Internet­wirt­schaft auch ‚CIX‘ genannt. Die Abkürzung steht für Commercial Internet eXchange.

logo_decixSie sorgen für einen schnelleren Austausch der Daten und machen den Betrieb des Internets erst wirtschaftlich sinnvoll. Die Anzahl und Bedeutung der CIXe, mit denen das DataCenter verbunden ist, entscheidet demnach ebenfalls über die Qualität und Leitungsfähigkeit des Standortes.

logo_bcixFür regional tätige Unternehmen sind in erster Linie die Deutschen CIXe von Bedeutung. Im internationalen Geschäftsverkehr entscheiden die Standorte des Zielmarktes oder des Gesamt­unternehmens über Wahl der passenden Netzwerkknoten. Eine Liste von interessanten Internetknoten finden Sie unter wikipedia.org/wiki/Internet-Knoten.

Arbeitsschritt:
Analysieren Sie, welche Regionen, Länder und ggf. Kontinente für Ihr Online-Business wichtig sind und wählen die entsprechenden CIXe aus. Überprüfen Sie, ob Ihr Serviceanbieter diese CIXe anbieten kann.

1.3. Router und Core-Switches

Router und Core-Switches übernehmen den zweiten wichtigen Part als Rückgrat (Backbone). Als Verbindung zwischen dem Internet und der internen Netzwerkinfrastruktur definieren sie maß­geblich die tatsächliche Performance und Qualität der Internetanbindung des DataCenters. Die maximale Bandbreite dieser Geräte beeinflusst die Verfügbarkeit des gesamten DataCenters.

Switchport

1.4. Rack-Switches

Die Rack-Switche sind das Verbindungsglied zwischen der Core-Technik und den Kundengeräten. Hier werden optional 100 Mbit/s, 1, 10, 100 Gbit/s als Anschluss angeboten. Im Idealfall kann der Kunde wählen, welche Ports im Preis-/Leistungs­verhältnis für seine Internetanwendungen am geeignetsten sind.

Arbeitsschritt:
Analysieren Sie die Art Ihrer Internetanwendungen (Text, Grafik, Datenbank, Audio-/Videostream, Upload, Download etc. ) bzw. stellen Sie fest, welche Lastspitzen Ihre Anwendungen verursachen. Daraus resultiert die Mindestgröße der Ports.

2. Betriebssicherheit

2.1. Redundanz

Mehrfachverfügbarkeit im Backbone sowie bei Klimatechnik, IP-Anbindung und Stromversor­gung reduzieren bzw. verhindern Ausfallzeiten bei Störungen. Fällt eine Komponente aus, sollte die Reserve so ausgelegt sein, dass sie den Vollbetrieb unterbrechungsfrei fortsetzt. Redundanz ist demnach ein weiteres wichtiges Qualitätsmerkmal, insbesondere wenn es um Betriebs­sicherheit geht.

Der Bitkom hat hierfür Standards definiert und unterteilt DataCenter in ihrer Betriebssicherheit in eigene TIER-Klassen – in umgekehrter Reihenfolge gegenüber der Carrier-Klassifizierung.

Bitkom-
Klasse
KurzbeschreibungAusfallzeitVerfüg­-
bar­keit
Entwärmungs­-
leistung
TIER 1keine Redundanz, ein einziger Versorgungs­weg für Energie und Kälteverteilung 28,8 Std./Jahr99,67 %220 - 320 W/m²
TIER 2Einfache redundante Komponenten für Strom und Klimatechnik22,0 Std./Jahr99,75 %430 – 540 W/m²
TIER 3Mehrfach redundante aktive und passive Versorgung 1,6 Std./Jahr99,98 %1.070 - 1.620 W/m²
TIER 4wie TIER3 plus komplett doppelte innere und äußere Versorgungswege0,8 Std./Jahr99,99 %> 1.620 W/m²

TIER 1 steht für einfachste Ausstattung ohne Redundanz. TIER 2 verfügt über eine einfache Redundanz zur Erfüllung von Minimalanforderungen. TIER 3 bietet bereits ein mehrschichtiges System zur Ausfallsicherung. TIER 4 wird mit den mehrfach ineinander greifenden Ausfallsiche­rungsmaßnahmen gerne auch als Königsklasse im sicheren Rechenzentrumsbetrieb bezeichnet.

Klimatechnik im DataCenter
Kühlturm auf dem Dach eines DataCenters

a) Klimatechnik

In einem DataCenter werden den Klimaanlagen Höchstleistungen abgefordert, denn Server produzieren im Betrieb viel Wärme, brauchen aber Raumtemperatur, um störungsfrei und langlebig arbeiten zu können. Daher ist die Entwärmungsleistung der eingesetzten Klimatechnik genau so wichtig wie das Vorhandensein redundanter Kühlaggregate, damit beim Ausfall einer Klimaanlage die optimale Raumtemperatur mit einer maximalen Toleranz von <1 Grad Celsius aufrecht erhalten wird.

Dieselgenerator
Einblick in den Dieselgenerator eines DataCenters

b) Gesicherte Stromversorgung

In der Regel findet man in einem DataCenter ein gestaffeltes System zur Sicherung der Stromversorgung vor. Stromausfälle können innere wie äußere Ursachen haben. Innerhalb des DataCenters halten bei kurzzeitigen Stromschwankungen oder -ausfällen USV-Einheiten auf Basis von Akkus die Energieversorgung aufrecht. Bei längeren Ausfällen übernehmen Dieselaggregate den Betrieb.

IP-Anbindung
Mehrfach redundante IP-Anbindung

c) IP-Anbindung

Die zentralen Netzwerk-Elemente wie Router und Core-Switches sollten redundant ausgelegt sein. Auch hier sollte bei Störungen eines Gerätes ein identisches Gerät automatisch den Betrieb übernehmen.

In diesen Bereich gehören auch Firewalls zur regelbasierten Absicherung des Netzwerk-Überganges zwischen „draussen“ und „drinnen“.

Arbeitsschritt:
Prüfen Sie die Angaben des DataCenter-Betreibers zur Redundanz hinsichtlich Klimatechnik, Stromversorgung und IP-Anbindung undgleichen Sie diese mit den Bitkom-Anforderungen zur TIER-Klassifizierung ab.

2.2. Brandschutz

Verhaltensregeln und Sicherheitsmaßnahmen im Brandschutz

Auch die Brandschutzmaßnahmen beeinflussen die Kategorisierung eines Rechenzentrums. Brandmeldeanlagen und Löschvorrichtungen sind Pflicht. Unterschiede zeigen sich in den Lösch­mitteln bzw. Maßnahmen der Brandbekämpfung. Halone als Löschmittel bekämpfen den Brand chemisch, so dass die Elektronik keinen Schaden nimmt. Allerdings zählen sie zu den Treib­haus­gasen. Bei der Stickstoff- oder Argon-Löschung wird der Sauerstoff durch Flutung des Raumes verdrängt. CO² als Löschgas ist inzwischen verboten. Bei der Gaslöschung sind selbstverständlich Druckentlastungsklappen oder Abzugs- bzw. Absauganlagen Pflicht.

Ein weiterer wichtiger Faktor sind bautechnisch gesicherte Brandabschnitte mit geschlossenen Feuerschutztüren und ohne offene Kernbohrungen in den Brandwänden. Auch ein Regelwerk über das Verhalten im Brandfall, Sicherheitsschulungen des DataCenter-Personals sowie gut gekennzeichnete und unverstellte Fluchtwege gehören in die Liste der Brandschutzmaßnahmen.

Arbeitsschritt:
Überprüfen Sie, welche Brandschutzmaßnahmen der DataCenter-Betreiber zusichert. Gleichen Sie die Angaben mit den Bitkom-Mindestanforderungen ab.

2.3. Zugangskontrollen

Die Zutrittskontrolle in einem DataCenter stellt sicher, dass ausschließlich autorisiertes Personal und authentifizierte Personen Zugang zu den für sie freigegebenen Räumen haben.

Arbeitsschritt:
Prüfen Sie, welche Sicherheitsmaßnahmen Ihr DataCenter-Betreiber tatsächlich umsetzt und gleichen Sie diese mit dem Mindestanforderungen ab.

3. Dienstleistungen und Services

Jeder DataCenter-Betreiber bietet sogenannte SLAs (Services Level Agreements), welche die technischen Hosting-Services umd zusätzliche feste und optionale Leistungen ergänzen. Eine der wichtigsten SLAs ist die Überwachung des DataCenter-Betriebes, 24 Stunden an allen 7 Tagen der Woche. Dieses permanente Beobachtung mit entsprechender Dokumentation an allen 365 Tagen im Jahr wird auch 24/7 Monitoring genannt.

Eine weitere wichtige Dienstleistung für optimale Betriebssicherheit sollte optional ebenfalls angeboten werden: Backup-Services, in mehreren Generationen und auch an verschiedenen Orten. Auch virtualisierte Serversysteme und entsprechend skalierbare Leistungspakete vom kleinen Webserver über dedizierte Maschinen ab einer Höheneinheit (HE) bis hin zu ganzen Racks, Cages oder gar eigenen Räumlichkeiten (Suiten) gehören mittlerweile zum Standard.

Die Ansprechbarkeit und Erreichbarkeit des Kundensupports bei Störungsmeldungen, Fragen oder zusätzlichen Arbeitsaufträgen an das DataCenter wird häufig über Ticketsysteme und Hotlines gelöst, im Idealfall gibt es einen direkten, persönichen Ansprechpartner.

Kunden-spezifische Firewall-Systeme werden nur in Ausnahme-Fällen angeboten, stellen jedoch einen wichtigen Faktor zur Betriebs-Sicherheit dar.

Arbeitsschritt:
Prüfen Sie, welche zusätzlichen SLAs (Service Level Agreements) und zusätzliche Dienstleistungen Ihr DataCenter-Betreiber anbietet und gleichen Sie ab, welche Services wichtig für Sie sind.

Tipp

Natürlich haben wir auch einen DataCenter-Check mit der BB-ONE.net durchgeführt. Lesen Sie das Ergebnis: