dotberlin – mit Humor geht´s besser

60.000 "neue" dotberlin-Domains können registriert werden. Die spannende Geschichte dazu lesen Sie hier.
60.000 "neue" dotberlin-Domains können registriert werden. Die spannende Geschichte dazu lesen Sie hier.

Domain-Registrierung als eigenständiges Geschäftsfeld hat viel zu tun mit Geschäftsentwicklung, also mit der Entwicklung von Ideen und Strategien für die Zukunft eines Internet-Unternehmens. So findet man in diesem Geschäftsfeld wie überall woanders auch neben den „altmodischen“ Marktteilnehmern mit werteorientierten, nachhaltigen Konzepten die „smarten“, denen es eher um schnelle Marktdurchdringung und kurzfristige Monetarisierung geht. Die BB-ONE.net zählt eher zu den Traditionalisten, allerdings mit Weitblick nach vorn und einer klar definierten Standortstrategie. So war klar, dass das Unternehmen die Idee der neuen Toplevel-Domains unterstützen würde und speziell den .berlin-Domains sein Haupt-Interesse widmete.

Während des Zeitraumes der Vor-Registrierung gehörte BB-ONE.net zu den Anbietern, die am lautesten trommelten. Was nicht nur positives Feedback einbrachte. Am Tage des Registrierungsstartes, am 18. März 2014 ergab es sich, dass beim Wettrennen um die besten Domains BB-ONE.net die meisten Registrierungen aus dem Berliner Umfeld der Geschäftskunden durchbringen konnte. Damit machte sich das Unternehmen nicht gerade Freunde – außer vielleicht bei den Kunden.

Doch auch Neid muss man sich verdienen. Denn im Gegensatz zu manchen Marktteilnehmern setzte das Unternehmen auf Transparenz, erklärte die Zusammenhänge und nannte die Quellen für Registrierungsbedingungen, Verfahren und Entscheidungswege rundum die Registrierung der neuen Internet-Adressen. Die Berliner Adressen sollten vorwiegend Berliner Unternehmen, Organisationen und natürlich auch Berliner Privatleute nutzen. Letztere waren und sind bei den grossen bekannten Namen besser aufgehoben, doch Geschäftskunden nutzten die fachliche Beratung gerne und freuten sich über die aktive Unterstützung bei der Nutzung der neuen Möglichkeiten.

Der Start am 18. März 2014 lief erfreulich, mit rund 32.000 Domains am ersten Tag legte die .berlin gut vor. Erwartungsgemäß flachte die Kurve der Neuregistrierungen schnell ab. Am 15. Juni 2014, also rund 3 Monate später, waren 49.291 Domains registriert. Diese Entwicklung ist vollkommen normal, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass die .berlin-Adressen eher den hochwertigeren Premium-Domains zuzurechnen sind und auch als solche entsprechend hochpreisiger gehandelt wurden.

Irgendjemand kam auf die glorreiche Idee, um die Schallgrenze von 50.000 schnell zu überwinden, mit einer bemerkenswert schlichten Sonderaktion den „Verkauf anzukurbeln“. Drei Tage lang wurden alle neue registrierten Domains „verschenkt“. So verwundert es kaum, dass am 19. Juni 2014 von den 139.190 Domains die Mehrheit fast vollständig in der Hand von spekulativen Domainhändlern landete. Viele Insider setzten Wetten darauf an, ob diese Domains über das erste Jahr hinaus überleben würden. Diese Prognose täuschte allerdings nicht darüber hinweg, dass der über viele Jahre mühsam vorbereitete Ruf der ehemals hochwertigen Domain innerhalb dieser dreitägigen Aktion riskiert wurde. Erstaunlich war dann doch, dass es innerhalb der nächsten vier Wochen trotzdem normal weiter ging, so dass am 14. Juli 2015 152.605 Domains registriert waren. Vermutlich war die als reisserische Aktion geplante der Maßnahme von der Mehrheit der seriösen Anbieter dann doch nur mit einem Schulterzucken belohnt und mit dem „business as usual“ behandelt worden.

Dennoch versuchten Domain-Händler wie die United Internet (1&1, GMX, Web.de, InterNetX, …) -Tochter SEDO ihre zum minimalen Einkaufspreis erstandenen Domains ein Jahr lang zu verschachern. Nach Ablauf der Jahresfrist waren es nur noch 83.784 registrierte Domains. Was war geschehen? Rund 69.000 der „verschenkten“ Domains wurden NICHT verlängert, fanden also keine interessierten Käufer und mussten zurückgegeben werden. Wie bereits erwähnt hatten damit eigentlich alle Fachleute gerechnet, die Frage war nur, wie hoch der Prozentsatz der Retouren sein würde. Die Marktbereinigung wurde als erholsam für den ursprünglichen Premium-Charakter der .berlin-Domain empfunden.

Und, war’s das? Nein, die Geschichte geht weiter, denn sonst hätte man ja einen Lerneffekt zugeben müssen. Statt dessen steht am 20.07.2015 auf der WebSite der Registry eine Presse-Mitteilung mit dem Inhalt, dass am nächsten Tag über 60.000 exklusive Domains registriert werden könnten. Viele fragten sich, ob das nun die von der Registry in umstrittener Weise zurückgehaltenen „Premium-Domains“ sein würden, über deren Schicksal sich die Registry bis heute vornehm bedeckt hält.

Die Überraschung war groß, als man dann die 1349 Seiten lange Liste durchblätterte. Neben „spannenden“ Domains wie „150.berlin“, „208.berlin“ und „366.berlin“ wurden auch solchen wie „horsecental.berlin“, „horseshop.berlin“ oder gar „hoschi.berlin“ angeboten. Fragwürdige Domains wie ar*beep*f*beep*.berlin in verschiedenen delikaten Variationen wurden im gleichen Atemzug mit wirklich interessanten Domains wie „tvservice.berlin“, „direktversand.berlin“ und „shoppingmeile.berlin“ als exklusive Domains (Zitat dotberlin) präsentiert.

In der Presse-Mitteilung steht ausdrücklich, dass diese „mehr als 60.000 exklusiven Domains“ ab 21.07.2015, 11:00 registriert werden könnten. Sie waren auch tatsächlich vorher nicht zu registrieren. In irgendwelchen Sperrlisten standen sie auch nicht. Die Vermutung, dass wir hier mit den zurückgegebenen Domains aus der „Verschenk-Aktion“ beglückt werden sollten, liegt nahe.

Da kann man nur staunen: So einfach wird also aus abgelegter Ware etwas exklusives. Oder findet diese Wandlung nur in der Vorstellungswelt derjenigen statt, die glaubten, durch kostenlose Abgabe eines an sich wertvollen Produktes die Marke positiv beeinflussen zu können. Das gibt doch Raum für Hoffnung im Geschäftsfeld „Domains“…

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