Soziale Netzwerke unter Druck

Soziale Netzwerke unter Druck

Mit Datenschutz und technischer Sicherheit haben soziale Netzwerke ja eigentlich nicht viel am Hut. Das liegt in der Natur der Sache. Denn schließlich geht es ihnen in erster Linie darum, das Verbreiten und Teilen von Informationen aller Art so einfach wie möglich zu machen. Und genau diese Einstellung führt nun zu großen Problemen.

Soziale Netzwerke zwischen Erfolgsdruck und Notwendigkeiten

Viele soziale Netzwerke halten die Zugangshemmschwellen im Gegensatz zu uns „normalen“ WebSite-Betreibern gerne mal sehr gering. Das heisst, die Anmeldeprozeduren und die Handhabung aller Dienste müssen schnell und einfach für alle Nutzer funktionieren, während sie bei uns einfach richtig sicher sein müssen. Aus gutem Grund, denn anders als bei unseren „Business-WebSites“ geht es den Netzwerkplattformen um Quantität der Nutzerzahlen und nicht um qualifizierte Zielgruppen. Das unkomplizierte Handling kennen wir bereits als Hebel. Unter anderem deshalb haben soziale Netzwerkplattformen wie Facebook oder Youtube schließlich auch so großen Erfolg. Der zweite Trick besteht darin, dass man zum Teil sehr hochwertige Dienstleistungen kostenlos anbietet, um die User zu ködern. Hier stellt sich nun die Frage, warum manche dieser Netzwerkplattformen erfolgreicher sind und andere, die zwar technisch besser und sicherer daherkommen, aber oft in Schönheit sterben.

Die Rolle der Entwickler

Den Entwicklern solcher Netzwerkplattformen geht es in der Regel um den echten oder vermeintlichen Nutzen für die User: Problemlösung, Information, Kommunikation und Spaß. Und, wenn sie keine totalen Träumer sind, um schnell wachsende Nutzerzahlen. Denn in der Logik der New Economie ist das gleichbedeutend mit einem schnell wachsenden Unternehmenswert. Da hier nicht mit echtem Geld gerechnet wird, sondern mit Börsenkursen, wird schnell klar, wie das funktioniert. Oder auch nicht, wie man an den dotcom-Krisen der vergangenen 15 Jahre sehen konnte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Konkurrierende Interessen

Wenn die Nutzerzahlen exponentiell wachsen und die User viele interessante persönliche Daten hinterlassen, dann ruft diese Entwicklung zwei weitere, konkurrierende Gruppen auf den Plan: die Werbeindustrie und die Datenschützer. Investoren bzw. Shareholder interessieren sich nur für die Wirtschaftlichkeit der Portale. Deshalb sind ihnen die gewinnbringenden Werbeeinnahmen wichtiger als die kostenintensiven Maßnahmen zum Datenschutz und zur IT-Sicherheit. Letztere werden noch gerade so akzeptiert, weil soziale Netzwerke auch von ihrem Image und der technischen Verfügbarkeit abhängig sind. Und Hacker-Attacken, die Daten stehlen oder Portale lahm legen, sind da einfach kontraproduktiv.

Datenschutz als Regulativ?

Für den Datenschutz interessieren sich am wenigsten die betroffenen User, da sie der Meinung sind, dass sie ja ohnehin „nichts zu verbergen haben“. Und weil das zu kurz gedacht ist, machen in erster Linie die gesellschaftskritischen und staatlichen Datenschutz-Organisationen Druck. Und das ist auch gut so. Doch das bedeutet für die sozialen Netzwerke, dass sie die unterschiedlichen Interessen ausgleichen und gleichzeitig dem Wettbewerb standhalten müssen. Facebook gelingt das nur teilweise, denn es gerät wegen Sicherheitsmängel immer wieder ins Visier, kann sich aber als Marktführer für soziale Netzwerke behaupten und ist laut Aussagen von Mark Zuckerberg, dem Gründer der Plattform, wirtschaftlich erfolgreich. Google+ hingegen ist gescheitert, trotz des Onlinegiganten Google LLC im Hintergrund.

Byebye Google+

Vielleicht wundern Sie sich immer noch, dass Google seine Marktführerschaft als Datenkrake selbst beschneidet und sein soziales Netzwerk Experiment Google+ beendet. Aber wenn wir genauer hinsehen, ist diese Entscheidung folgerichtig.

Die Google-Strategie: Erfolg einkaufen.

Wann immer eine Plattform exponentiell wachsende Nutzerzahlen mit hoher Bindung und vielen persönlichen Informationen aufweist, ist Googles Interesse geweckt. Denn schließlich ist das Sammeln, Auswerten und Handeln von Daten die wichtigste Einnahmequelle des Konzerns. Und hier ist Google  der absolute Platzhirsch. Mit YouTube (2006) und Android (2005) hatte Google sein Portfolio erfolgreich ergänzt, aber andere erfolgreiche soziale Netzwerke und Onlineplattformen konnten Übernahmeversuche abwehren.