Website Relaunches mit Murphys Gesetz

Wäre da nicht Murphys Ur-Gesetz, dann wäre sicherlich auch alles gut gegangen. Wir zeigen hier jeweils den Weg, der eingeschlagen wurde und zur Katastrophe führte, obwohl es eine bessere Option gegeben hätte. Sie werden von selbst darauf kommen, wie sie ausgesehen hätte. Falls nicht, gibt es zum Schluss eine Positiv-Liste.

Murphy 1: Auf Vorbereitung, Planung, Absprachen und Kontrollen verzichten

Niemand störte sich daran, dass kein schriftlich vereinbartes Leistungsverzeichnis oder Pflichtenheft für die neue WebSite mit den gewünschten und notwendigen Funktionen vorlag. Den Beteiligten genügte der Fertigstellungstermin für den Relaunch, und dieser war allen bewusst. Nachdem die Agentur den Design-Entwurf ablieferte, der Softwarefirma Umsetzungsempfehlungen gab und sich dann aus dem Umsetzungsprozess heraus zog, hatten die Software-Entwickler anschließend freie Hand. Sie entschieden – ohne irgendeine Rücksprache – wie das Projekt zu realisieren sei. Eine fachliche Kontrolle durch den Auftraggeber fand daher auch nicht statt, Hauptsache der Relaunch-Termin blieb unangetastet.

Murphy 2: Handwerkliche Fehler in der CMS-Eigenentwicklung festigen.

Als der Termin für den Neustart näher rückte, bekamen wir, die BB-ONE.net, den ersten Kontakt zur Softwarefirma hergestellt. Alles, was wir wussten, war, dass es sich beim Content Management System der neuen Website um einen Eigenbau des Softwareanbieters handelte. Das ist erst einmal nicht grundsätzlich verkehrt, vorausgesetzt die selbst entwickelte Software hält die besonderen Anforderungen an ein professionelles CMS ein. Manches kam uns zwar „ungewöhnlich“ vor, aber wir hatten keinen Auftrag zur Beratung oder zum Eingreifen, was uns allerdings nicht davon abhielt, mal einen genaueren Blick auf die Software zu werfen.

Wir wiesen den Kunden vorsorglich auf die auffälligsten Schwachstellen hin. Zum Beispiel fehlten bei der CMS-Eigenkonstruktion Möglichkeiten, SEO-relevante Daten zu erfassen oder zu ändern. Das wäre notwendig, um das vorhandene, sehr gute Google-Ranking der alten Website auf die neue zu transferieren. Zusätzlich würden die seit über einem Jahrzehnt bei den Suchmaschinen bekannten Links ins Leere laufen, und die neu gestaltete Website würde wie ein Frischling ewig warten müssen, bis die Suchmaschinen überhaupt wieder Notiz von ihr nähmen. Doch eine entsprechende Software-Anpassung blieb aus.

Murphy 3: Technische Standard des Internets ignorieren.

Im Internet gibt es aus sehr guten Gründen Standards. Das gilt besonders für CMS-gestützte Websites, egal mit welcher Software gearbeitet wird. In jedem Fall braucht man ein Datenbanksystem. Der neue Server sollte in unserem Fall nach den Vorgaben der Softwarefirma „irgendeinen Webserver, vielleicht Apache, eine Datenbank, vielleicht MySQL und ein aktuelles PHP“ bereit halten. Aber es gab keine Angaben, welche Betriebsumgebung oder Software Versionen das CMS für den optimalen Betrieb tatsächlich brauchte. Es machte kaum den Eindruck, dass hier mit grossem Engagement und Fachwissen in Sachen Internetanwendungen gearbeitet würde. Vielleicht sah man CMS ja auch nur als irgendeine Softwareanwendung an, die ein wenig HTML, PHP und vielleicht noch etwas Java auskommen sollte – mehr braucht man ja wohl nicht, oder? Mit dieser (Fehl)Einschätzung befanden und befinden sich die Beteiligten übrigens in bester Gesellschaft.

Murphy 4: Software- und Funktionstests einfach weglassen.

Wenn die Lage für den Kunden nicht so bitter ernst und dieser nicht so verzweifelt gewesen wäre, dann wäre ab hier der Zeitpunkt, an eine tragische Komödie zu glauben. Denn obwohl wir mehrfach und eindringlich auf die bevorstehenden Probleme aufmerksam machten, sowohl beim Kunden als auch beim Softwarehersteller, sollten wir den Schwenk von der alten auf die neue Website durchführen. Schließlich stand der Relaunch-Termin vor der Tür. Und nun offenbarte sich die Katastrophe im vollen Ausmaß.